Geschichte und heutige Nutzung der Hofanlage
Versteckt in einem kleinen Waldstück in Bielefeld Senne liegt der Museumshof Senne.
Wer durch die Hofeinfahrt fährt, fühlt sich in vergangene Zeiten zurückversetzt. Hier stehen Gebäude aus vier Jahrhunderten (1607 – 1903): alle exemplarisch für die Besiedlung der Senne. In allen Inschriften der Torbalken taucht der Name „Kamp“ auf z.B:
3 Ständer-Haus „Otto im Kampe“ von 1607 (Wohnhaus)
2 Ständer-Haus „Eggert im Kampe“ von 1756 (Auberge le Concarneau)
2 Ständer-Haus „Buschkemper“ von 1811 (Historisches Gasthaus Buschkamp)
4 Ständer-Haus „Johann im Kampe“ von 1820 (Historisches Handwerkerhaus)
Die translozierten Häuser des Museumshofes sind vom Ministerpäsidenten NRW am neuen Standort wieder unter Denkmalschutz gestellt worden.
Alle Häuser wurden vor Bagger und Raupe gerettet, fast alle Ende der 50er Jahre als Autobahn und B68 erweitert wurden. Eine Bürger-Initiative bewahrte 1982 das Gasthaus Buschkamp vor der Schuttkuhle. Die Häuser wurden im Umkreis von 2 km Stück für Stück abgetragen, restauriert und original wieder aufgebaut, unter Leitung von Prof. Schepers, dem Nestor der deutschen Bauernhausforschung und Begründer des "Freilicht-Museums bäuerlicher Kulturdenkmale" in Detmold.
Unter „Dach und Fach“ werden die für diese Region und für das jeweilige Gebäude traditionellen Nutzungen aufgegriffen und zur neuen modernen, an der Zukunft orientierten Gestaltung weitergeführt.
2 Ständer-Haus Buschkemper von 1811
(Historisches Gasthaus Buschkamp)
Der Buschkamp
Geschichte eines Hofes
Der früheste urkundliche Nachweis des Buschkempers ist: 1654.
Der Überlieferung nach ist durch die Lage am "Hellweg" der Buschkamphof sehr früh zur "Rast" und zum Pferdewechseln beim Passieren des "Teuto-Passes" in Anspruch genommen worden.
1811 ließen Kaspar Heinrich Buschkemper und seine Ehefrau Hanna Katharina, geb. Große-Bockermann durch den Zimmermann Johann Heinrich Benter ein neues Hofgebäude errichten.
Bevor die erste Konzession erteilt wurde, ist der Buschkampbauer wegen unerlaubten Betriebs einer Schankwirtschaft im Buschkamp zur Untersuchung gezogen und bestraft worden.
Der erste legale Wirt im "Buschkamp" war F. W. Lohmann. Er bekam 1869 die Erlaubnis zum beschränkten Schankbetrieb und Ende des Jahres die Erlaubnis zum uneingeschränkten Schankbetrieb.
Der im Jahre 1847 geborene Adolf Brand erbte mit 42 Jahren von seiner Mutter die Stätte Nr. 16 (Buschkamp) und beantragte nun seinerseits eine Schankwirtschaftskonzession.
Adolf Brand und sein Buschkamp wurden weit über die Senne hinaus bekannt. Generationen von Soldaten aus Bielefeld, Osnabrück und weiter jenseits des Teutoburger Waldes machten auf dem Wege zum Truppenübungsplatz Sennelager Rast im Buschkamp. Die Reisenden und Wanderer verweilten zum Pickert und Wildbraten.
Nach wechselnder Geschichte und Nutzung mußte der unter Denkmalschutz gestellte Buschkamp aus Planungsgründen am alten Standort weichen.
1982 wurde der Buschkamp durch Bürgerproteste vor der Zerstörung bewahrt und mit privater Initiative abgetragen und schließlich in den Jahren 85/86 im „Museumshof Senne" wieder aufgebaut.
Die offizielle Eröffnung des „Historischen Gasthaus Buschkamp" fand am 18. Januar 1988 statt.
Buschkamp-Keller
Der Buschkamp Keller mit seinem preußischen Kappengewölbe diente dem Buschkampwirt zur Lagerung von Schnaps und Bier.
Bei den Abbauarbeiten im Jahre 1982 wiederentdeckt, ist er auf Anraten von Historikern unter dem jetzigen „Historischen Gasthaus Buschkamp“ in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert worden.
Die alten Gefäße zur Schnaps-Herstellung und Lagerung sind im Keller und neben dem Buschkamp zu besichtigen.
2 Ständer-Haus „Eggert im Kampe“ von 1756
(Auberge le Concarneau)
Der Colonatshof "Eggert im Kampe" von 1756, eine Zweiständer-Fachwerkbauweise, wurde bis zur Umsetzung rein landwirtschaftlich betrieben und ohne Eingriff in die Bausubstanz einer neuen Nutzung zugeführt.
Die beiden Bauernstuben, der gekachelte Kamin und der Tiefstall mit den Original Futtertrögen bieten Einblick in die Atmosphäre eines Bauernhauses.
Heute beherbergt das Haus die „Auberge le Concarneau“ eines der besten deutschen Restaurants.
Der Name wurde als Reverenz an die französische Partnerstadt von Bielefeld Senne gewählt.
Der Backspeicher von 1663
(Naturkost-Hofladen)
Der Backspeicher als Vierständer-, zweimal gekragter Fachwerkbau mit dem im Erdgeschoss holzbefeuerten Lehmofen diente zum Brotbacken.
Die beiden oberen Geschosse wurden zum Lagern von Getreide genutzt.
Der alte Standort war der Hof Birkemeier Nr.12 in Senne I. Nach Brandschäden um 1950 wurden Ergänzungen von einem baugleichen Speicher aus den Beständen des Freilichtmuseums Detmold beim Wiederaufbau verwendet.
4 Ständer-Haus „Johann im Kampe“ mit Ziegenstall und Plumpsklo (1903)
(Historisches Handwerkerhaus)
Baujahr mit geschichtlichem Hintergrund.
Das Handwerkerhaus wurde im Jahre 1820 vom etwa 60jährigen Johan im Kampe und seiner 27jährigen zweiten Frau Katharina Stellbrink erbaut. 1820 war die Zeit des Umbruchs von der Bauernwirtschaft zum Handwerk. 1811 wurde in Preußen der Zunftzwang aufgehoben. Bauernsöhne, die nicht Hoferbe werden oder auf einem Bauernhof einheiraten konnten, hatten die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen. Das war für die Senne sehr wichtig: der Boden war karg, die Menschen waren sehr arm. Im Handwerkerhaus wohnten und arbeiteten schon viele Handwerker. Vor dem Abbau lebte hier zuletzt ein Schuster und Holzschuhmacher .Dieses Haus wurde als Handwerkerhaus konzipiert und beeinflusste auch den Baustil.
Baustil als Spiegel der Nutzung
Das Handwerkerhaus ist ein Vierständerhaus in Fachwerkkonstruktion mit Ziegelausmauerung, noch im Typ des Bauernhaus, aber nicht mehr zur Nutzung für Ackerbau und Viehzucht. Die Seitenwände wurden 1820 höher gezogen, dadurch entstand eine Zwischenetage, die noch zum Arbeiten und Schlafen genutzt werden konnte. Aber der Dachraum wurde kleiner; ein großer Dachraum zur Bergung der Ernte (Heu und Stroh) war nicht mehr erforderlich. Eine Treppe wurde eingebaut, um bequem in die Zwischenetage zu gelangen.
Beschreibung und Nutzung der einzelnen Räume
Die Deele mit dem Deelentor erinnert noch an ein niederdeutsches Hallenhaus für Ackerbau und Viehzucht. Aber auf der Deele und in den Seitenschiffen arbeiteten in diesem Haus die Handwerker. Nur vorn ist noch eine kleine Ecke für ein Pferd oder eine Kuh, die auch vor den Wagen gespannt werden konnten. Die Deele war mit Sandsteinplatten ausgelegt, nicht mehr lehmgestampft.
Küche
In diesem Haus gab es kein offenes Herdfeuer mehr. Die feuerpolizeiliche Verordnung schrieb zur damaligen Zeit für Neubauten schon Schornsteine vor wegen der hohen Brandgefahr. Da, wo in Häusern alten Typs das offene Herdfeuer war, ist hier ein Flur angedeutet.
Das Handwerkerhaus war für damalige Zeiten sehr modern. Einzelne Räume konnten durch Öfen beheizt werden. Der Wohnbereich war unterkellert.
In einer kleinen Küche mit Tür zum Garten wurde gekocht - auf der ersten Kochmaschine aus Guss, eine Maschine, mit der die Wärme durch Züge reguliert werden konnte. Diese Kochmaschine mit Wasserschiffchen und Backofen wurde gebaut von der Firma Plantholt aus Herford, heute Firma Imperial.
An den Wänden sind holländische Fliesen von etwa 1840, die noch in diesem Haus waren. Die Bodenfliesen stammen aus der Zeit von etwa 1920. Der Küchentisch mit der Ablage wurde mit Bierfarbe gestrichen. Alle Einrichtungsgegenstände, die in diesem Haus sind, stammen aus Senne l.
Die „gute Stube“
Um 1820 wurden die Bauernhäuser gern mit Farbe ausgestattet.
Hier im Handwerkerhaus sind das Fachwerk rötlich, Türen und Treppe grünlich nach alten Farbresten neu gefasst worden.
Die Zimmer sind hell und freundlich, nicht mehr wie in älteren Bauernhäusern dunkle Kammern.
Mit alten Schablonen wurden Fliesen aufgemalt; mutige Kombinationen (orangefarbene Wände zu grünen Fliesen) Kalk- und Leinölfarben wurden nach alten Rezepten vom Maler des Freilicht-Museums Detmold ausgeführt.
Schlafzimmer
Das Schlafzimmer mit Bodenklappe zum Vorratskeller.
Das Himmelbett von etwa 1880 war damals sehr modern, mit offenem Himmel und offenen Seiten hell und luftig.
Frühere Betten waren geschlossen wie eine Kiste (Alkoven = Schrankbett).
Die Bettwäsche ist handgewebt und mit Wolle gefüllt.










