Pressestimmen
(c) Neue Westfälische 9. Juli 2010
Westfälische Sünde
Heimische Küche zum Anfassen beim 20. Jubiläum von "Westfälisch genießen"

(c) DIE ZEIT 04.03.2004 Nr.11
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Wolfram Siebeck reist durch die Provinz und isst (beinahe) Grünkohl. Ort des Geschehens ist Bielefeld, wo schon Hermann der Cherusker die - kulinarisch wahrscheinlich überlegenen - Römer besiegte Die Hölle im Einmachglas |
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Das Glas steht auf dem Nachbartisch und blickt lauernd zu mir herüber. Zweifellos bin ich enttarnt als »der Typ, der immer gegen den Grünkohl giftet«. Gleich wird es sich auf meinem Teller entleeren. Seinen furchtbaren Grünkohl mit Rauch- und Mettenden, Bauchfleisch, Entenkeule und Bratkartoffeln oder, wie es auf der Speisekarte heißt: »Westfälsker Gröinkauhl met Rauk- un Mettennen, Boukfläisk, Aanenkuile und Broatkartuffel«. |
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Der Ort des Geschehens heißt Senne und ist so etwas wie Bielefelds Suburb. Dort also steht zwischen und unter westfälischen Bäumen ein halbes Dutzend westfälische Bauernhäuser, eines fachwerker als die anderen. Es sind stolze Häuser, völlig authentisch, prächtige Scheunentore, jeder Ziegelstein von Hermann dem Cherusker handsigniert. Auch innen nur Balken, Holz, Steine und bäuerliche Antiquitäten. Zwei der Häuser enthalten Restaurants. |
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WELT am SONNTAG Ausgabe vom Sonntag, den 15.02.2004
Dirigent in der Küche
Der westfälische Spitzenkoch Ernst-Heiner Hüser über die Kunst des Kochens und Genießens
Essen gehört zum Leben. Doch ob wir bei der alltäglichen Nahrungsaufnahme immer an die Kultur des Genießens denken, ist fraglich. Für 40 Museen in Ostwestfalen steht dieses Jahr unter dem Motto "Mahlzeit". In verschiedenen Themen beschäftigen sich die Ausstellungsmacher von Minden bis Büren mit Essen und Trinken. Dabei sollen die Besucher nicht nur Objekte betrachten, sondern auch in die Kunst des Genießens eingeführt werden. So wie bei Ernst-Heiner Hüser, der während der Ausstellung "Das große Fressen" in der Kunsthalle Bielefeld für die Gaumenfreuden zuständig ist. Seit Jahren beweist der 51-Jährige Spitzenkoch in seinen beiden Restaurants ("Historisches Gasthaus Buschkamp" und "Auberge le Concarneau"), dass der westfälische Himmel nicht nur voller Schinken, Würste und Pumpernickel hängt.
WELT am SONNTAG: Herr Hüser, was hat Sie an der Aufgabe des kulinarischen Beraters für das Ausstellungsprojekt gereizt?
Ernst-Heiner Hüser: In der Kunsthalle bei jeder Veranstaltung zu kochen, ist eine echte logistische Herausforderung. Jeder Referent hat sein eigenes Thema, und mein Team muss bei jedem Termin vier bis sechs Gänge zubereiten. Und zwar von mediterranen und exotischen Spezialitäten bis hin zu buddhistischen Fastenspeisen. Da muss ich mir selbst noch Gedanken machen.
WamS: Sehen Sie sich als Künstler in der Küche?
Hüser: Nein. Ich bin in erster Linie ein Handwerker. Ich dekoriere sehr schlicht, mag nicht so viel Firlefanz auf dem Teller. Entscheidend für mich sind die Geschmackskomponenten und das Aroma. Da bin ich ganz Traditionalist.
WamS: Trotzdem hat doch ein schönes Essen auch mit Kunst zu tun, sonst könnte ja jeder Spitzenkoch werden?
Hüser: Das ist immer eine Frage des Niveaus. Natürlich gibt es Verbindungen zur Kunst. Wenn ich in meiner Küche stehe, bin ich kein Selbstdarsteller oder Schauspieler. Dort arbeitet ein ganzes Team, das dirigiert werden muss. Und so leite ich ein kleines Orchester und muss in jeder Hinsicht aufpassen, dass der Takt stimmt und niemand aus der Reihe tanzt. Allein diese Erfolgskontrolle hat vielleicht mit Kunst zu tun.
WamS: Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?
Hüser: Ich habe mich auf Wildkräuter spezialisiert, die ich im eigenen Garten anbaue. Ich bin da sehr experimentell. Je nach Saison verwende ich Bärlauch, Löffelkraut, Franzosenkraut oder Vogelmiere, eine echte Vitamin-C-Bombe. Außerdem baue ich mein eigenes Gemüse an und habe Partner in der Region, die mich mit Fleisch und Wurst beliefern. Was den Wein angeht, habe ich natürlich ein Faible für die Franzosen.
WamS: Das Auge isst mit, sagt man. Wie wichtig ist für Sie die Optik?
Hüser: Natürlich ist es wichtig, dass die Speisen ansprechend drapiert werden. Aber ich muss erst einmal wissen, wie ein Gericht schmeckt, bevor ich mich entscheide, wie ich es später garniere. Und da habe ich heute oft das Gefühl, dass viele Köche sich mehr um die optische und stilistische Variante und weniger um den Geschmack kümmern. Das heißt aber nicht, dass man nicht kreativ sein soll. Aber ich bevorzuge eine klare Linie beispielsweise beim Geschirr und mag daneben noch ein paar bunte Farbtupfer.
WamS: Was gehört Ihrer Meinung nach zu einem genussvollen Essen?
Hüser: Dass der Gast es schafft, sich zu entspannen, sich wohl zu fühlen und keine Schwellenängste hat. Dass er unbeschwert einen schönen Abend erlebt. Das ist die hohe Kunst in der Spitzengastronomie. Das fängt bei der freundlichen Begrüßung mit einem unbefangenem Lächeln an und hört bei unaufdringlicher Musik auf.
WamS: Ein gelungenes Ambiente hängt auch vom Service ab?
Hüser: Absolut. Der richtige Umgang mit dem Gast ist ein schwieriger Weg. Ich plädiere für eine gewisse Bescheidenheit, für eine unauffällige Aufmerksamkeit. Die Art wie serviert wird, ist ausschlaggebend. Da habe ich mich ausschließlich für weibliches Servicepersonal entschieden. Frauen besitzen eine natürliche Freundlichkeit, Männer dagegen haben es schwer, sich zurückzunehmen. Die Herren haben leicht etwas Gockelhaftes, das passt nicht in die gehobene Gastronomie.
WamS: Wann hat Essen etwas Sinnliches?
Hüser: Das kommt auf die jeweilige Stimmung an. Das hat vielleicht mit einer bestimmten Person zu tun, aber auch mit einer schönen Umgebung, in der ich draußen sitze und die Seele baumeln lassen kann. An sich ist Essen immer etwas Sinnliches, wenn ich es genießen kann.
WamS: Was essen Sie privat am liebsten?
Hüser: Klare Eintöpfe. Zum Beispiel alles was mit pot-au-feu zu tun hat. Couscous esse ich auch gern, aber mit viel klarer Brühe. Ich esse gern viel und schnell - das hat mit dem Beruf zu tun - und mag Gerichte, die nicht so schwer im Magen liegen. Ach so, und Bratkartoffeln aus rohen Kartoffeln, das ist etwas ganz Feines.
Das Gespräch führte Martina Schäfer
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Neue Westfälische-Zeitung 05.10.2002 Häppchen für den Botschafter |
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Zusammen mit Bielefelds Sternekoch Heiner Hüser beim Deutschland-Fest in Paris
Bielefeld/Paris. Kein Zweifel, der französische Gaumen mag es westfälisch. Ernst-Heiner Hüser muss immer wieder nachbestellen. Hüser hat den wichtigsten Job an diesem Abend in Paris. Der Sterne-Koch aus Bielefeld ist heute „Chef de cuisine" in der Deutschen Botschaft. Knapp 2.000 Gäste sind da, feiern zwölf Jahre Deutsche Einheit - und lassen sich bekochen. Es ist ein lauer Spätsommerabend in der Hauptstadt. Vor der Deutschen Botschaft fahren die Limousinen im Minutentakt vor. Politiker steigen aus, Wirtschaftsbosse, Generäle, Diplomaten aus aller Welt. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland hat geladen, Seine Exzellenz Fritjof von Nordenskjöld. Illustre Gäste sind da: Charles Pasqua, Ex-Innenminister, Simone Veil, Ex-Präsidentin des Europa-Parlaments, Alfred Grosser, Frankreich-Experte, Edith Cresson, Ex-Ministerpräsidentin, sind nur einige. Botschafter von Nordenskjöld und Frau Bernadette schütteln viele Hände. Die bewundernden Blicke schweifen durch das Palais de Beauharnais, den Botschaftssitz an der Seine. Der Prachtbau aus dem 18. Jahrhundert gilt als eine der schönsten diplomatischen Vertretungen weltweit. Die Botschaft in der Botschaft ist nordrhein-westfälisch. Schon neben der Eingangstreppe mit rotem Teppich weisen drei große Buchstaben auf das Thema des Abends hin: NRW. Das Bundesland ist in diesem Jahr Ausrichter der Feier. Alles ist in rot-weiß-grün geschmückt. Die meisten lassen sich schnell in den Garten locken, wo eine besondere Präsentation wartet: die kulinarische. Das ist Heiner Hüsers Job. Vor einer großen Landesflagge steht der Bielefelder Auberge-de-Concarneau-Chef hinter westfälischer Ente und rheinischem Sauerbraten und bedient persönlich. „Eine große Ehre" sagt er. Selbst für ihn, der schon oft Prominente bekochen durfte, ist das hier etwas Besonderes. Fast zehn Jahre hat er in Paris gelebt und gearbeitet, bevor er die Küche in Senne übernahm. Über einen früheren Bielefelder Journalisten hält er Kontakt zur Düsseldorfer Staatskanzlei - so landete er noch einmal in Paris. „Wir wissen, hier in Frankreich können wir mit leckerem Essen Punkte sammeln", sagt NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement in seiner Rede. Wie wahr: Bei Hüser und seinem 20-Köche-Team stehen die Leute Schlange. Allein 25 Kilo an Petit Fours (Nachtisch-Gebäck) gehen weg. Es gibt Schlösser-Alt vom Fass (dass dies als bière forte, Starkbier, angepriesen wird, entlockt dem Kellner ein müdes Lächeln), aus Warstein ist eine komplette Zapf-Crew angereist, es gibt Spezialitäten aus der Butterhandlung Holstein in Münster, von Bauernhöfen. Die Köche präsentieren alles, was NRW hergibt, etwa Heringsstipp nach Hausfrauenart, Schinken, Himmel und Erde, Stippmilch. Small-Talk, Händeschütteln, Visitenkarten verteilen, Häppchen essen. Rheinisch, westfälisch - und aus Bielefeld. Für einen Bratwurst essenden Diplomaten und seine Stippmilch schlürfende Gattin steht das Urteil fest. „Wir dachten, Rheinland und Westfalen vertragen sich nicht. Beim Essen klappt es doch prima. Das macht bestimmt der Koch". Am Sonntag wird der wieder in der Heimat kochen. Lammragout gibt es da an der Sparrenburg - westfälisch versteht sich. von ELMAR KRAMER
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