2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Donnerstag 21. Januar 2010


Liederliches aus dem Schatzkästchen


Buschkamp-Combo lädt Publikum seit zehn Jahren zum gemeinsamen Singen ein.

Senne. Warum sie so gut harmonieren, miteinander lachen und gar nicht mehr ohneeinander sein können? Dietrich Lemke kennt den Grund: „Jeder hat seinen Schwerpunkt, wir kommen uns nicht ins Gehege, sind nicht vergleichbar." Dennoch sind das „Duo Druschba" mit Ella Deppe und Manfred Schneider, Liedermacher Helmut Neuhaus, Akkordeonist Alexander (Sascha) Hochhalter und Wortakrobat Dietrich Lemke Gleichgesinnte, wenn es darum geht, Menschen für Lieder, Chansons und Folk zu begeistern.

So, wie sie es jeden dritten Donnerstag im Monat ab 20 Uhr im Buschkamp-Keller (Museumshof Senne) praktizieren. Heute Abend bei der ersten Veranstaltung des Jahres mit dem „Duo Druschba", das unter anderem Lieder aus seinem neuen Projekt „Sing mit - bleib fit" vorstellen wird. Das Stammpublikum weiß längst Bescheid. Nach dem Soloprogramm, bei dem auch die anderen Combo-Mitglieder regelmäßig über das Jahr hinweg vertreten sind, wird gemeinsam gesungen. Mit den Zuhörern. „Das ist für beide Seiten sehr vergnüglich", bestätigt Helmut Neuhaus. Bereits seit 15 Jahren serviert der Mann mit dem schwarzen Hut und der Gitarre den Gästen „Liederliches", nicht selten auf Platt.

Manfred Schneider und Ella Deppe erzählen von den Anfängen. „Im November 1999 waren wir mit dem Ehepaar Hüser (Betreiber des Museumshofes) in Paris in einem uralten Gasthaus in Montmartre." Ganz ähnlich, wie die Buschkamp-Combo es seit zehn Jahren praktiziert, sei das Programm dort abgelaufen. Auch das Singen mit den Besuchern habe dazugehört. „Eine super Stimmung war das da", schwärmt Ella Deppe rückblickend. Das Duo erarbeitete in Absprache mit dem Museumshof ein Konzept und schnitt es auf den Buschkampkeller zu. Liederhefte inklusive. Jeder Song hat darin seine Nummer. Die Wunschtitel werden vom Publikum laut zugerufen.

„Ein Drittel ist Stammpublikum", erzählt Manfred Schneider. „Die kennen die Regeln." Und schreien deshalb besonders schnell und besonders laut, um mit ihren Begehren durchzukommen. Für die Chancengleichheit würden aber alle neu Hinzugekommenen zunächst über das Regelwerk aufgeklärt, betont Dietrich Lemke, der vor Jahren seine Mandoline wieder herausgeholt und angefragt hat, ob er denn wohl bei der Combo mitmachen dürfe, schmunzelnd. Er durfte.

Auch über die Tonarten gibt es in der Combo, zu der lange Jahre Leo Zaplatin gehörte und seit einigen Jahren Alexander Hochhalter der neue Mann am Akkordeon ist, keine Diskussionen. Schon gar keine Streitereien oder Eifersüchteleien. „Nur Fis-Moll und Cis-Moll mussten wir dem Duo Druschba erstmal abgewöhnen", verrät Lemke. Nicht zuletzt mit Rücksicht auf das Stimmvermögen der Laien-Sänger.

Natürlich könne nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Immerhin stehen rund 40 Lieder im Textheft. „Gut wieder hier zu sein" von Hannes Wader ist allerdings das gewohnte Eingangslied. Und zum guten Schluss wird das vertraute „Nehmt Abschied Brüder" angestimmt. „Miteinander", „Country Roads", „Wild rover", „Molly Malone" oder „Guantanamera", seien die absoluten Publikums-Lieblinge, erzählt Helmut Neuhaus von den Lieder-Vorlieben der sangesfreudigen Gäste.

Die Soloauftritte lieben sie, aber die Combo ist sich auch einig: „Im zweiten Teil des Abends kommt der eigentliche Spaß." Da werde sich nicht nur der Fähigkeiten des kollektiven Gedächtnisses bedient, sondern auch schon mal im Schatzkästchen jedes einzelnen gekramt, sagt Dietrich Lemke und meint, dass er durchaus einen seiner legendären Limericks zum Besten gibt oder Manfred Schneider einen seiner meisterlichen Witze. „Der Spaß an Wortspielen eint uns", betont Lemke und schiebt hinterher: „Das Zusammenspiel macht uns allen so viel Spaß, dass wir regelrechte Entzugserscheinungen bekommen, wenn wir uns länger nicht sehen."

 

© 2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Donnerstag 21. Januar 2010

 

 


Folk Freunde
Folkreunde im Buschkampkeller